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Russland-Fonds nur noch Zockerpapiere?

1 April 2014 14 views Keine Kommentare

Ten-ruble coin slides down on downtrend chart. Selective focus(Berlin, den 01.04.2014) Die jüngsten politischen Entwicklungen in der Ukraine und in Russland lenken das öffentliche Interesse der Welt wieder einmal auf die noch immer nicht klaren Verhältnisse und die wirtschaftlichen Zusammenhänge im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Viele internationale Vertreter mit fast ebenso vielen Meinungen projizieren unterschiedliche Zukunftsszenarien und wie sich die politischen Machtverhältnisse künftig auf die Weltgemeinschaft auswirken werden, scheint derzeit völlig offen. Was aber ist mit den Kapitalanlegern, die bereits Geld in die Region investiert haben oder dies planen zu tun? Da die meisten russischen Aktien für westliche Investoren eher schwierig zu handeln sind, haben viele Anleger ihr Geld in russische Wertpapierfonds gesteckt. Russland zählt zu den Schwellenländern mit höheren Renditechancen, aber auch mit höherem Risiko. Insbesondere in den letzten Tagen war im internationalen Fondshandel allerdings große Nervosität zu spüren – insbesondere bei Schwellenländerfonds zeigten sich enorme Kursausschläge. Die Kongruenz zu hochriskanten Spekulationsgeschäften scheint sehr hoch – sind solche Fonds also nur noch für das „Zocken“ geeignet?

Große Unsicherheiten überwiegen

Die Volatilität bei den russischen Aktien und demzufolge auch bei den Aktienfonds ist derzeit extrem hoch – dies betont den spekulativen Charakter. Tatsächlich sind Investitionen in Fonds mit Anlageschwerpunkt Russland derzeit eher Zockerei denn seriöse Geldanlage – nimmt man beispielsweise den DWS Russia Fonds so kann eine fast ausgewogene, quantitative Kauf- und Verkaufsseite beobachten, je nachdem, welche Welle (Schwerpunkt einer Auf- oder Abwärtsbewegung) gerade einsetzt. Dies deutet darauf hin, dass hier professionelle bzw. fachlich versierte Kurzzeit-Spekulanten am Werk sind, die ein Momentum für das schnelle Geld ausnutzen wollen. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung zieht im Moment kaum langfristig orientierte Anleger an, denn niemand weiß, wie lange die politischen Unwägbarkeiten noch anhalten werden und wie die finale Situation aussehen wird.

Schwellenländerfonds generell eher unbeliebt

Generell sind Fonds mit Anlageschwerpunkten in Schwellenländern derzeit eher unbeliebt. Hier gibt es bei genauer Beobachtung eher einen klaren Überhang der Angebote – die internationale Anlegerschar scheint die vielen Unsicherheiten in Russland, in China und in Osteuropa zum Anlass zu nehmen, eher in andere Anlagemöglichkeiten zu investieren. Wirklich zu empfehlen sind die Fonds mit diesen Schwerpunkten im Moment auch nicht, denn der Spekulationsgrad ist durch die unsicheren Aussichten einfach zu hoch. Anleger präferieren generell Anlagen in Sachwerte wie Immobilien oder Edelmetalle und suchen sich als Ergänzung möglichst mittel- oder langfristige Anlagemöglichkeiten in den bekannten Märkten wie z. B. Deutschland, USA oder England. Den früheren Reiz von Schwellenländer-Fonds, dass sich entwicklungsfähige Märkte nur noch entwickeln müssen, damit eine gute Rendite entsteht, gibt es derzeit so nicht mehr. Die meisten Anleger schätzen Anlagen in solche Fonds als zu risikoreich ein und investieren maximalen einen nur sehr geringen Teil des zur Verfügung stehenden Anlagevermögens in diese Anlageklasse.

Wie geht es in der russischen Wirtschaft weiter?

Nach der Krim-Annexion müssen sich die Wogen erst einmal glätten und es muss abgewartet werden, ob hier sanktionierende Maßnahmen oder negative Konsequenzen aus der Entwicklung selbst die Handelsbilanz merklich verändern können. Die Weltbank hat indes die Prognose für die Wirtschaftsentwicklung in Russland um 0,3 % nach unten korrigiert, auf nunmehr noch 3,3 % Wachstum bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in 2014. Das Tempo verlangsamt sich durch das recht niedrige Potential auf mittel- und langfristige Sicht. Das Defizit im Staatshaushalt Russlands liegt bei ca. 1 % des BIP und der Anteil der Bevölkerung mit einer Einkommenshöhe unter dem Existenzminimum liegt bei über 11 %. Es sind derzeit keine Wunderentwicklungen oder Perspektiven für eine sich stark verbessernde wirtschaftliche Entwicklung auszumachen – von einem Investment in den russischen Markt bzw. in Investmentfonds mit Anlageschwerpunkt Russland ist daher nicht nur aufgrund der nicht so rosigen Aussichten abzuraten, sondern auch aufgrund des derzeitig sehr hohen, spekulativen Charakters dieser Anlagen. Anleger, die eine seriöse und langfristige Vermögensbildung erreichen wollen, sind mit anderen Produkten sicherlich besser bedient.

Bild© sergey_p – Fotolia.com

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